Einleitung
Little Tree – das bin ich. Gewachsen bin ich. Beim Wachsen durfte ich einen wundervollen Baum an meiner Seite haben. Opa Baum! Opa Baum ist einfach spitze. Ich habe ihn einfach richtig gern. Er ist groß, direkt und oft so liebevoll, verrückt und verliebt ins Leben. Schön, dass wir einander haben.
Opa Baum – ja so nennt mich Little Tree. Für mich ist er schon lange nicht mehr der Kleine Baum, den ich liebevoll Little Tree nenne. Für mich ist er der Spiegel meines Wachstums, der Baum an meiner Seite, die Freude des Zusammenseins. Standfest und Leicht. Schön, dass wir einander haben.
Gibt es Bäume, die von außen gedacht werden?
An einem ganz normalen Tag im Leben von Opa Baum und Little Tree…
Opa warum stehe ich hier in diesem Wald?
Es gibt Bäume, die stehen, wo sie stehen – Little Tree. Es gibt alte Bäume und es gibt junge Bäume. Egal wie alt du bist, egal wie jung du bist und egal wo du stehst eines gilt immer:
`Dein Sein ist dein Sein. Du bist Same, Wurzel, Stamm, Krone. Du bist sowohl die 1000-jährige Eiche als auch das kleingeschlüpfte Bäumelein, was da so steht wo es stehen will.
Opa ich weiß nicht ob ich dich richtig verstehe. Du meinst ich stehe da wo ich stehen will?
Da wo du dich platzierst kannst du glücklich sein; und du kannst zur selben Zeit hier und da glücklich sein.
Erkenne wer du bist Little Tree. Stelle dich darauf ein, dass dein Geist größer ist als alle standhaften Weisheiten dieser Welt. Du stehst da wo du stehst, weil du genau da stehen willst. Und Little Tree – lass dich nicht von außen denken
„Opa wie oft soll ich es dir noch erklären. Ich heiße Lilla Tree“ Lilla das ist bäumisch und meint hübsch und lieblich.“
„Wie du meinst Little Tree, ich freue mich, dass du dich hübsch fühlst.“
OK ich gebe auf. Dann bin ich halt Little Tree. Opa, wie meinst du das, dass es Bäume gibt, die von außen gedacht werden?
Tja, Little Tree, denke einfach von innen und schon bist du groß.
Opa. Vielleicht gibt es Bäume, die möchten gar nicht groß sein, sondern einfach klein bleiben. Vielleicht möchte ich ja auch klein bleiben.
Das ist deine Entscheidung, und sie ist gut, wenn du dich damit gut fühlst.
Glaubst du, es ist dumm, klein zu bleiben?
Das ist deine Entscheidung, mein Lieber. Mein Dank gilt jedenfalls all den Besseren.
Opa, welchem besseren?
Den Besseren, die nachdem die Guten gegangen sind, gekommen sind!
Opa, könntest du das etwas ausführlicher beschreiben, den besseren Was?
Naja, wie gesagt, das ist deine Entscheidung. Such dir was aus: Den besseren Zeiten, den besseren Freunden. Den besseren Umständen, den besseren Bedingungen. Als die guten Bedingungen gingen, war ich und bin ich dankbar für die besseren Bedingungen, die gekommen sind und die auch noch kommen. Als die guten Freunde gingen, war und bin ich dankbar für die besseren Freunde, die gekommen sind. Als die guten Zeiten gegangen sind, bin ich froh und dankbar….
Opa, das ist ganz schön viel Philosophie auf einmal! Wollen wir nicht etwas anderes machen? Ansonsten würde ich lieber gehen.
Tja, mein lieber, so ist es: Als das gute Kind ging, wurde es besser, erwachsen. Zumindest kann es so sein, wenn du das gute Kleine loslässt, kann das Bessere aus dir erwachsen. Wie gesagt, die Entscheidung liegt bei dir.
Ich geh dann mal spielen Opa – bis morgen.
Müde im Sein – oder vom Sorgen.
Guten Morgen, Lilla. Die Sonne geht langsam auf. Bist du schon wach?
Guten Morgen, Opa…. weißt du, ich bin heute Morgen irgendwie müde! Wollen wir später reden?
Das ist ja interessant. Wir haben dieselben Stunden geruht. Vielleicht bist du gar nicht müde, sondern auf dem Weg wach zu werden.
Vielleicht.
Opa Baum, was willst du heute tun?
Wachsen und du?
Ich weiß es noch nicht, erst einmal sollte ich wach werden – ich bin mir nicht sicher ob ich das überhaupt schaffe.
Warum sollte das nicht funktionieren? Bist du jung oder jung?
Ich bin müde Opa, und vielleicht bleibt die Müdigkeit den ganzen Tag. Stell dir das mal vor, was für ein scheiß Tag könnte das werden!
Ich finde die ersten Sonnenstrahlen herrlich.
Mh, die sehe ich noch nicht. Ich mache mir jetzt schon Sorgen, dass der Tag nicht so der beste wird. Ich glaube das wird ein sorgenreicher Tag.
Das ist deine Entscheidung dies zu glauben. Worum möchtest du dich sorgen?
Worum ich mich sorgen möchte? Naja, das ist ja wohl überhaupt keine Frage. Als erstes möchte ich mich darum sorgen, ob mein Stamm dick genug ist.
So, so und weiter.
Dann möchte ich mich darum sorgen, ob meine Rinde schön genug ist.
Schön genug für was?
Naja, halt schön genug. Du weißt doch, ob sie schön ist. Ob die anderen sie bewundern, ob sie standhält und ob sie irgendwie, na ja, schön genug ist.
So, so! Und weiter? Welche Sorgen können noch auf dich warten?
Na ja, dann hängt es davon ab, ob meine Wurzeln stark genug sind und standhaft bleiben, wenn es stürmt und ob meine Standfestigkeit überhaupt gewährleistet ist.
Haben deine Wurzeln dich bisher gehalten?
Ja, aber das ist jetzt egal. Sie können eventuell morgen nachgeben.
So, so. Und weiter? Mir scheint, du hast beschlossen dich den ganzen Tag lang zu sorgen. Worum könntest du dich noch sorgen?
Lass mal überlegen. Dann möchte ich mich darum sorgen, ob meine Freunde morgen noch da sind.
Wo sind Sie denn jetzt?
Opa, das ist ja wohl egal. Denn es geht ums Prinzip. Obwohl, vielleicht sind sie jetzt schon weg.
Willst du nachschauen gehen? Es ist deine Entscheidung, dich zu vergewissern.
Nein, lieber nicht. Danach denken die noch, ich bin doof, weil ich mich pausenlos um sie sorge.
Hmm, bist du denn doof? Weil du dich sorgst?
Opa, das ist ja eine sehr persönliche Frage.
In der Tat, das ist eine persönliche Frage. Könnte dir die Frage bei deinem Wachstum dienlich sein?
Opa, ich bin müde! Ich möchte mich heute einfach den ganzen Tag lang sorgen. Das hat nichts mit Wachstum zu tun.
So, so. Worum möchtest du dich denn noch sorgen?
Ach, wenn ich in den Himmel schaue, könnte es heute regnen. So durchnässt zu werden, ist krass. Vielleicht kommt die Sonne auch gar nicht mehr hinter den Wolken hervor. Wenn die Erde dann aufhört, sich zu drehen, ist es immer Nacht. Das wäre schrecklich! Nie wieder Sonne. Ich könnte niemals weiterwachsen. Opa, was passiert, wenn die Erde aufhört, sich zu drehen?
Little Tree, ich kann mich nicht erinnern, dass die Erde jemals im Laufe ihrer vielen Millionen von Jahren aufgehört hat, sich zu drehen.
Opa, du hast mir nicht auf meine Frage geantwortet.
Ich hege den Verdacht, dich interessiert die Wahrscheinlichkeit bezüglich des Erduntergangs in konkreten Zahlen eher weniger… OK.
Wenn die Erde aufhört, sich zu drehen, bin ich dankbar, dass ich mich so wenig gesorgt habe. Dass ich einen Nachwuchs habe aufwachsen sehen, der wundervolle Wurzeln hat, einen hübschen, genau richtig dicken Stamm und einen klugen Geist.
Und dann, also, wenn ich auf der Schattenseite gelandet wäre, würde ich Möglichkeiten finden, im Sternenlicht zu wachsen.
Wenn ich auf der Sonnenseite gelandet wäre, im Sonnensturm, würde ich Möglichkeiten finden, Schatten zu spenden und Energie aufzuwenden, damit die Erde sich wieder von alleine in Bewegung setzt. Und wenn die Erde sich wieder drehen würde, hätte ich gelernt, im Sternenlicht zu wachsen und im Sonnensturm zu dienen.
Wow, Opa, das sind schöne Bilder.
Hattest du nie Sorge, dass die Welt untergeht?
Das ist eine sehr persönliche Frage, oder?
In der Tat, Opa, das ist eine sehr persönliche Frage und hat wahrscheinlich eine sehr persönliche Antwort.
Es gab eine Zeit, da durfte ich sehr schnell wachsen. In dieser Zeit musste ich jegliche Sorgen von meinen Wurzeln fernhalten, denn Sorgen bringen faule Blätter und faule Früchte. Sorgen lassen dich klein bleiben. Sorgen sind Gift für die Flexibilität deines Stammes und deiner Äste.
Sorgen bremsen dich aus.
Deswegen, mein Lieber, du kannst dich den ganzen Tag lang sorgen. Das ist deine Entscheidung. Ich darf anmerken: Du bist dazu nicht verpflichtet.
Je weniger Sorgen dein Herz berühren und deine Wurzeln aufnehmen, umso leichter und lustiger ist dein Tag. Umso einfacher kannst du wachsen.
Ist das ein Appell, dass ich über meine Sorgen hinauswachse soll?
Das zu deuten LITTLE TREE, ist deine Entscheidung. Und um auf deine Frage ganz persönlich zu antworten: Ja, ich war auch einmal so erpicht darauf, mich den ganzen Tag lang zu sorgen. Irgendwann habe ich es mir einfach verboten Sorgen in mich aufzunehmen.
Denn: Ich bin davon überzeugt: Sorgen haben wenig Nährwert.
Und als ich das damals geschafft habe, sagte mein Opa zu mir: „Willkommen im Club der über sich hinauswachsenden Bäume.“
Hast du das deinem Opa erzählt?
Nein, das war nicht notwendig, er hat es sofort gesehen; an meinem Wachstum, an meiner Liebe zum Leben, an meiner Dankbarkeit, an meiner Fröhlichkeit und daran, dass ich weniger Weltuntergangfragen gestellt habe.
Danke, habe ich verstanden.
Das ist deine Entscheidung es so zu verstehen.
Kann es sein, dass du immer das letzte Wort hast Opa?